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    Gerfried zu Joao Garcias Vorwürfen

    Geschrieben von admin am 21.Juli 2009

    Nachtrag vom 11.08. zum Bericht vom 21.07.
    Wenige Wochen nach den Anschuldigungen durch Joao Garcia entschuldigt sich dieser bei Gerfried in einem Mail:

    Hello Gerfried,
    I am writing to say that I am sorry that I send this report to ExWeb. It was writen in BC under a great amount of emotional tireness and now I realise that I should have discussed it directly with you in BC and not to share my facts on-line.
    I have no hate for annyone and I wish you good luck in K2 .

    All the best,
    Joao Garcia

    Bericht vom 21.07.
    Vor einigen Tagen konfrontiert der erfolgreiche portugiesische Höhenbergsteiger Joao Garcia das Team von Gerfried Göschl öffentlich mit schweren Vorwürfen betreffend der Verlegung von Fixseilen in der Kinshoferroute am Nanga Parbat.

    Nach seiner Ansicht hätte das Team nicht genügend zum Verlegen der Seile beigetragen und überdies Seile in exponierten Stellen wieder demontiert, was indirekt zum Absturz der koreanischen Bergsteigerin Miss Go beigetragen haben sollte.

    Gerfried nutzte die Gelegenheit, am 17.07. in Skardu, Pakistan, ein Interview mit ExplorersWeb zu führen, um eine detaillierte Stellungnahme zu den Vorwürfen abzugeben.

    Das originale Interview in englischer Sprache kann hier nachgelesen werden:
    mounteverest.net

     

    ExWeb: Joao meinte, euer Team hätte sich nicht fair am Verlegen der Seile beteiligt. Ihr hättet fälschlicherweise vorgegeben, die Ausrüstung sei noch nicht eingetroffen.

    Gerfried: Unsere kleine Gruppe des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) bereitete diese Expedition seit mehr als 1,5 Jahren vor. Um ein verhältnismäßig sicheres Klettern zu ermöglichen, haben wir beschlossen, ausreichend Material nach europäischem Standard und den international gültigen Normen entsprechend mit zu bringen und zur Verfügung zu stellen.

    Wir haben das Basecamp am 17. Juni kurz vor Joao mit insgesamt 2500m Seil, 25 Karabinern, 20 Felshaken, 25 Eissschrauben und 25 Firnankern erreicht.

    Zusätzliches Material – 1000 Meter Seil und weiteres Sicherungsmaterial – verblieb nach vorhergehender Absprache mit Mrs. Oh´s Team in Islamabad in der Ortschaft Chilas. Würde es benötigt, könnte das Material binnen zwei Tagen ins Basecamp transportiert werden.

    Mr. Garcia und sein Team aus fünf Mitgliedern, sowie zwei Trägern, stellte unterdes insgesamt nur 100 Meter Seil zur Verfügung. Mit dieser Menge an Fixseilen kann eine schwierige „Normalroute“ an einem 8000er nicht ausreichend versichert werden. Eine wenig lobenswerte Herangehensweise. Von seiner Gruppe wurde zwischen Camp 1 und Camp 2 kein Meter Fixseil verlegt.

    Unser Team verlegte ein zweites 9mm Seil in einer gefährlichen Stelle der Kinshoferwand, um den Kletterern dort ausreichend Sicherheit bieten zu können.

    Von einer Verspätung unseres Sicherungsmaterials war nie die Rede. Das Material kam mit uns gemeinsam im Basislager an, mit Mr. Garcia wurde darüber nie gesprochen.

    Über das Abhalten eines Exeditionsleitertreffens wurde ich informiert, war aber nicht derjenige, der dazu einberufen hätte, wie Mr. Garcia meinte.

    Im Meeting wurde seinerseits das Verlegen so zahlreicher Fixseile durch das österreichische und die koreanischen Teams kritisiert. Bei seinem ersten Versuch am Nanga Parbat vor zehn Jahren seien noch gar keine Fixseile oberhalb von Camp 2 verlegt worden – er verlangte sogar weniger Fixseile.

    Alle Anwesenden werden diese Aussage bestätigen. Weitere Gespräche nach diesem Meeting gab es mit Mr. Garcia nicht – bis seine Vorwürfe im Internet zu lesen waren.

    ExWeb: Joao wirft eurem Team vor, im Vergleich zu den anderen Teams zu wenig am Verlegen der Seile beigetragen zu haben – die Arbeit anderen überlassen zu haben. Außerdem sei das Verhältnis von Kletterern zu Hochträgern zu klein gewesen. Was meinst du dazu?

    Gerfried: Es waren vier Expeditionsteam im Basecamp, von denen wir den größten Anteil an Sicherungsmaterial zur Verfügung stellten. Jene die niedrigere Materialkosten tragen, versichern dafür größere Teile der Route.

    Mr. Garcia war nie in diese Arbeitsaufteilung eingebunden. Eine große Hilfe war er nicht. Unser Team fixierte einige Abschnitte, andere Teams fixierten andere Abschnitte mit dem Material, das wir zur Verfügung stellten. Damit waren alle einverstanden.

    Ich bin verblüfft, wieviele Gedanken sich Mr. Garcia über unser Team machte. Wir sind eine Gruppe von Freunden, nicht “Führer und Kunden”. Gemeinsam haben wir eine beträchtliche Summe an 8000er Gipeflerfolgen und entsprechender Erfahrung an den hohen Bergen vorzuweisen. Die Teilnehmerliste findet man auf meiner Website.

    Warum macht Joao sich Gedanken, welches unserer Mitglieder mit und welches ohne Träger klettert? Jeder entscheidet für sich, ob man mit oder ohne Hilfe von Trägern klettern möchte. Ich mache mir keine Gedanken, in welchem Stil er oder andere Expeditionsteams klettern.

    ExWeb: Joao behauptet außerdem, dass euer Team ein Fixseil in der Sektion entfernte, in der Miss Go Tage später abstürzte. Habt ihr? Und wenn ja, warum wurde das Seil entfernt?

    Gerfried: Wie kann Mr. Garcia so etwas behaupten, ohne es gesehen zu haben? Oder andere Zeugen dafür zu haben? Als der Vorstoß eines Teil unseres Teams auf der Kinshoferroute startete, waren ich und vier weitere Kollegen auf einer völlig neuen Route orthografisch links der Kinshoferroute unterwegs.

    Aus dem Basecamp wurde ich von unseren Kollegen in der Kinshoferroute informiert, dass 200 Meter Fixseil zwischen Camp 2 und Camp 3 fehlen. Träger aller Expeditionsteams haben aus diesem Grund entschieden, Seile aus verhältnismäßig sicheren Abschnitten zu entfernen und in diesen gefährlicheren Stellen über Camp 2 zu installieren. Alle Expeditionesteams waren darüber informiert. Es stand nicht genügend Zeit zur Verfügung, um weiteres Sicherungsmaterial aus dem Basecamp nach oben zu transportieren.

    Unglücklicherweise stürzte Miss Go über Camp 2 und wird sind traurig über diesen Verlust. Doch das koreanische Team machte keinem der anderen Teams Vorwürfe, noch beschuldigte es andere Teams, Auslöser für diesen Verlust zu sein.
    Auf 8000ern zu klettern war und ist auch in der Gegenwart ein hohes Risiko. Auch Fixseile ändern diese Tatsache nicht.

    Nach den Unfällen (Anm. des Übersetzers: Wolfgang Kölblinger stürzte einen Tag zuvor, am 10.07. kurz unter dem Gipfel zu Tode) führten wir intensive Gespräche mit beiden koreanischen Expeditionsteams. Wir alle hatten eine Menge Fragen und versuchten, Antworten auf diese Fragen zu finden – das Geschehene nachzuvollziehen und verstehen zu können, was unseren Freunden passierte. Wir gingen als Freunde auseinander.

    Was schmerzt ist die Tatsache, dass Mr. Garcia abwertend über Wolfgang spricht. Wolfgang war ein Freund meiner Familie mit großer Erfahrung. Er genoss in unserem Team Freundschaft und Vertrauen – in ihn, sowie seine Fähigkeiten und seine Routine.

    Wolfgang war am Tag des Aufstieges in ständigem Kontakt mit dem Liasion Officer Mr. Muhammad Ali bis der Sturm aufzog. Nach dem Empfang verwirrender Informationen waren wir der Meinung, Wolfgang sei an diesem Abend bzw. der Nacht mit Mr. Kim´s Team unterwegs. Auch ein rascher Aufstieg unseres Teams war für Wolfgang keine Hilfe mehr. Er stürzte am Abend zuvor kurz nachdem er den Gipfel erreichte.
    Auch wenn Mr. Garcia das nicht so sieht, aber im Ungewissen aufzusteigen und nach Wolfgang zu suchen, war ein Alptraum. Diese seelischen Wunden heilen langsam.

    Ich verstehe Mr. Garcias Anschuldigungen nicht und kann auch nicht nachvollziehen, was in ihm vorgeht. Mr. Garcia ist Portugiese, ich bin Österreicher – wir beide stehen unter europäischem Gesetz. Ich habe entschieden, meinen Anwalt über die falschen Anschuldigungen, die Rufschädigung an meiner Person, Anderer, sowie dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) in Kenntnis zu setzen. Ich hoffe jedoch, Mr. Garcia noch einmal zu treffen und mit ihm persönlich sprechen zu können.

    Gerfried Göschl
    (Leiter der ÖAV Nanga Parbat und K2 Expedition)
    Muhammad Ali (Liasion Officer)
    Louis Rousseau (Teammitglied)
    Sepp Bachmair (Teammitglied)
    Skardu, Baltistan, Pakistan, 17. July 2009

    Joao Garcia's Nanga Parbat debrief

    Kategorie: Nanga Parbat (2009) |

    5 Kommentare zu Gerfried zu Joao Garcias Vorwürfen

    1. Waltraud Torossian schrieb am 22.Juli 2009 um 09:01

      Diese ungeheuerlichen Anschuldigungen und Vorwürfe eines “Bergkameraden” kann ich noch immer nicht verstehen. Auch jene Kommentare habe ich mit Befremdung gelesen, die sich diesen Vorwürfen in Unkenntnis des Geschehens - weil tausende Kilometer entfernt - angeschlossen haben.
      Danke Gerfried für Deine klare Stellungnahme dazu.
      Mit allen guten Gedanken
      Waltraud T


    2. thera khan schrieb am 22.Juli 2009 um 16:13

      My best wishes for a good and safe ascent will follow you in the coming days,thera khan


    3. wohlfahrt franz schrieb am 24.Juli 2009 um 22:19

      wünshe gerfried und seinem team alles gute.du hast immer neider egal ob beim höhenbergsteigen oder beim klettern bzw. erstbegen einer rute wen etwas schief leueft ist der andere schuld.lasst euch nicht verwierren noch von den medien und die die keine ahnung von höhenbergsteigen haben. franz wohlfahrt


    4. Irmgard schrieb am 26.Juli 2009 um 07:51

      Hallo Gerfried,

      Toi, toi, toi, wünsche euch viel Glück. Bin in Gedanken und Gedenken bei dir.

      Liebe Grüße
      Irmgard


    5. wolfgang D. schrieb am 7.August 2009 um 11:50

      hallo gerfried glaube ihr habt richtig gehandelt und auf dieser höhe ist sowieso jeder füe sich verantwortlich berg heil für deine zukunft lg w


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