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    Headwall durchstiegen

    Geschrieben von Administrator am 29.Februar 2012

    Nachdem wir wegen starker Sturmböen tagelang um unser Basislager gekämpft hatten, nutzten wir eine kurze Chance um wieder aufzusteigen. Wir wussten, dass wir bei sehr durchwachsenem Wetter aufsteigen mussten, aber Winter ist Winter. Hier gibt es nur ganz ganz wenige Tage an denen man über 6500m arbeiten bzw. klettern kann.

    So brachen wir in dem Bewusstsein vom Basislager auf, diese kurze Wetterberuhigung eventuell sogar für einen Gipfelversuch zu nutzen. Ein motivierender Gedanke!

    Das ganze Team, Cedric, Nisar, Darek, Tamara, Alex, Carlos und ich, stiegen am 26. Februar den uns schon so bekannten Weg zu Lager 1 (6200m) auf. Da dieses Lager nun erstmals sieben Personen beherbergen musste, wurde eine dritte Plattform aus dem Eis ausgehakt. Am späten Nachmittag standen endlich drei Zelte wie Adlerhorste am ausgesetzten Grat.

    Nach einer kalten Nacht starteten Cedric und ich schwer bepackt als erste. Immer wieder verhinderten starker Wind und feine Neuschneelawinen, so genannte Spindrifts, unser Vorankommen. Nach mühsamer Spurarbeit über Eis- und Firnflanken erreichten wir am Nachmittag 6700 Meter, unser letztes Depot, hinterlassen vor über 14 Tagen. Schnell richteten wir uns her. Cedric wühlte sich immer wieder einbrechend und von mir gesichert über die Steilflanke durch den Zuckerschnee, ich erfror inzwischen fast am Stand. Ich bemühte mich zwar sehr, aber ohne Unterstützung war es unter diesen Umständen sehr schwierig zu filmen und zu fotografieren. Da meine Zehen bereits gefühllos wurden, verwendete ich erstmals meine Schuhheizung. Das Groteske am Ende des Tages war, dass ich mir dadurch drei Brandblasen an den Zehen holte!

    Schlussendlich stieg Cedric um kurz vor 16:00 Uhr am Grat auf 6800 Meter aus. Für uns ein gewaltiger alpinhistorischer Moment, die technisch extrem anspruchsvolle und steile Headwall, 1600 Meter hoch, ist somit erstmals von Menschen durchklettert worden!

    Schnell folgte ich Cedric am Fixseil um nun endlich auch, nach zwei Expeditionen im Winter an dieser Wand, über den Grat blicken zu dürfen. Leider war der Anblick etwas enttäuschend, da wir uns in einer Nebelsuppe befanden, keine freie Sicht zum Gipfel. Auch der Weiterweg zum erhofften leichteren Gelände war wenig befriedigend. Cedric versuchte noch sein Bestes, aber der überhängende Grat war mit unserem Material nicht absicherbar, der Schnee wie Zucker. Firnschwerter bzw. Eisschrauben würden bei einem Sturz nicht halten. Vielleichten könnten wir zwei uns über die Schwierigkeiten schwindeln, aber was würde mit den nachfolgenden Kollegen sein? In nur einer Stunde würde die Nacht einbrechen. Könnten wir überhaupt noch 7000 Meter für ein Gipfelbiwak erreichen? Würden wir in diesem Nebel und bei diesen Windböen überhaupt den Gipfel und unser Lager wieder finden? Hätten wir mit unserem Plan der Überschreitung des Berges überhaupt eine realistische Chance?

    Bald kristallisierte sich heraus, dass wir uns für diesen Tag zur Umkehr entscheiden mussten. Eine durchaus schmerzvolle, aber auch richtige Entscheidung. Schnell richteten wir ein windgeschütztes Depot am Grat her und fixierten Materialien für einen weiteren Versuch. Inzwischen erreichten uns auch Nisar und Alex. Darek, Tamara und Carlos waren bereits früher umgekehrt. Kurz nach 18:00 Uhr, in beginnender Dunkelheit, seilten wir uns ab. Komplett ausgekühlt wollten wir gleich direkt ins Basislager absteigen. In Lager 1 bekamen wir noch von Darek und Tamara, die zur weiteren Akklimatisation noch eine Nacht am Berg verbrachten, eine Tasse Tee gereicht. Nach vier Stunden erreichten wir um 22:00 Uhr völlig ausgelaugt das sichere Basislager, wo wir mit kulinarischen Köstlichkeiten bis spät in die Nacht versorgt wurden.

    Ich sitze nun mit etwas gemischten Gefühlen hier im BC. Ich bin enttäuscht, dass wir nicht weiter aufsteigen konnten, dass ich nun nicht schon zu meiner Familie, zu meinen Mädels, zurückkehren kann. Aber auf der anderen Seite bin ich froh, dass alle wieder sicher im Basislager sind, dass die Wand nach 38 Tagen und 8 Aufstiegen (alleine in diesem Winter) endlich durchstiegen ist, dass die Route zum Gipfel offen ist, dass ich mit Cedric und Nisar zwei kongeniale, sehr soziale und extrem starke Partner an meiner Seite habe, dass die Chance weiter lebt unser großes Projekt abzuschließen.

    Hier richten wir jetzt alles für die nächste Sturmfront her, die erneut am 4. und 5. März über unser Lager ziehen wird. Aber wer weiß schon, vielleicht tut sich bereits im Anschluss ein Wetterfenster auf! Vielleicht gibt uns der Berg bzw. das Wetter endlich eine echte Chance für eine Gipfelbesteigung! Unsere Motivation bleibt ungebrochen!!

    Mit herzlichen Grüßen aus dem Basislager des Hidden Peak
    Gerfried Göschl
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    Oesterreichischer Alpenverein: www.alpenverein.at

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    001: Tamara am Wandfuß in einer kurzen Sonnenstunde
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    002: Cedric und Alex auf 6100m
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    003: Gerfried in einer kalten Nacht in Lager 1 (6200m)
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    004: Darek und Nisar verlassen am Morgen Lager 1
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    005: Cedric am Fixseil auf 6600m
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    006: Cedric kurz vor dem Grat auf 6750m
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    007: Nisar, unter ihm Alex, am Ausstieg
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    008: Cedric am überwechteten Grat auf 6800m
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    009: Die eröffnete Route bis zum Grat, endlich durchstiegen!
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    010: Gerfried beim Auffüllen der Energiespeicher im BC, mit natürlichem Powerbar :-)

    Kategorie: Hidden Peak Winter (2012) |

    10 Kommentare zu Headwall durchstiegen

    1. doc schrieb am 29.Februar 2012 um 11:58

      Hi Görfi,

      Megaleistung - Hut ab!!
      Aufpassen auf die Zehen :-) you know….
      ich wünsch Dir/euch den vollen Erfolg!
      lG
      doc


    2. Geri Almer schrieb am 29.Februar 2012 um 12:36

      Yeaahhh, jetzt habt ihr eure Wand! Superleistung!!!
      Nicht zu sehr enttäuscht sein, das war ein ganz wichtiger Schritt.
      Um erfolgreich sein zu können, ist auch ein großes Maß an Geduld notwendig.
      Aber das ist ja euer großes Plus: Geduld und Konsequenz. Deshalb wird für euch auch der Zeitpunkt kommen, wo ihr für eure Anstrengungen belohnt werdet.
      Bleibt gesund und motiviert!
      Geri


    3. Michaela Landl, ORTOVOX schrieb am 29.Februar 2012 um 14:40

      Gratulation zu diesem Meilenstein - “headwall”- eine wichtige Passage ist gemacht. alles Gute weiterhin!!! wir halten die Daumen und schicken euch wärmende Sonnenstrahlen!
      ORTOVOX-Team
      michi


    4. Louis Rousseau schrieb am 29.Februar 2012 um 18:40

      Hi everyone!
      I’m in contact with my partners Gerfried and Alex in Gasherbrum 1 Base camp via satphone and Internet. 2 days ago, all the team (Gerfried, Alex, Carlos, Cedric, Nisar, Tamara and Darek) tried the summit via our 2011 new route project. They finish the headwall on the South Face of Gasherbrum 1 and they reached the ridge.
      1600m of highly technical climb during winter season. From there, they wanted to climb until 7000m to bivouac and tried the summit. They arrived very late on the ridge in deteriorated weather. Impossible to continue, too much risk of frostbite.
      They descent to base camp for a short rest and they will try again before March 20th, the first day of Spring. The big news is : Most of the people believed that we couldn’t climb the new route on the south wall of G1 during winter. Last year, we even received emails and comments that we were a bunch of fools. I’m so proud of them! I wanted to share this with you!


    5. Mirza ali schrieb am 29.Februar 2012 um 21:43

      Congratulations Gerfried and team,indeed it is a great accomplishment in winter to over come extreme sheer wall with blue ice and 1600m! waw that is just amazing!!! i am sure this route would be extreme compare to any ascent in winter! thumbs up team and Cedric! i believe you are great in lead climb,same Louis!!!!


    6. die Goiserer und Hördi schrieb am 29.Februar 2012 um 22:30

      Wir wünschen Dir lieber Görf und Deinem Team alles Gute, viel Geduld und Kraft. Komm gesund nach Hause.
      Alles Liebe
      die Goiserer und Hördi


    7. die Goiserer und Hördi schrieb am 29.Februar 2012 um 22:32

      Lieber Görf,
      wir wünschen Dir und Deinem alles Gute, vile Geduld und Kraft.
      Komm gesund nach Hause.
      Alles Liebe
      Die Goiserer und Hördi


    8. Nikki Palmer schrieb am 29.Februar 2012 um 22:51

      Ein Happy Birthday fuer dein Vater…Euer Sicherheit und Geduld! Alles, alles Gute!!!!!


    9. Alessandro Biffi schrieb am 1.März 2012 um 12:39

      Große Jungs!
      Ich folge dir jeden Tag aus Italien, weil ich die Berge lieben. Vielen Dank für die wunderbaren Bilder, die Sie senden und ich hoffe sehr, dass Ihre Sendung auf dem G1 ein Tor!
      Ich wollte eine Frage stellen: was man aus der Vergangenheit Schulter sehen, auf dem Gipfel Pyramide zu erhalten, müssen Sie “verlieren” die Geschwindigkeit und das kann zu Problemen in den Rücken zu schaffen?


    10. Naveed schrieb am 2.März 2012 um 06:55

      Kudos from Pakistan-explorer.com team. Wish you folks all the best!


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